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Pauschalierende Entgeltsysteme für Psychiatrie und Psychosomatik

Weg mit PEPP!

Das pauschalierende Entgeldsystem für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) geht an den Bedürfnissen psychisch kranker Menschen vorbei.

Petition (Erstunterzeichnerin u.a. Soltauer Initiative)

zur Begründung

In einem Blog (opablog) äußert sich zu dieser Petition eine Dame folgendermaßen:

"Diese ATTAC Initiative ist sehr bedauerlich. ... Mit Verlaub, wollen Sie denn Gutmenschen, die nur wie Gutmenschen scheinen unterstützen? Natürlich ist es die richtige Richtung, Anreize zu schaffen, dass Menschen nicht unnötig die Freiheit entzogen wird. Da ist das ein Schritt in die richtung von dem was unser Sozialsystem fordert, nämlich eine “notwendige, hinreichende und zweckmäßige” Krankenversorgung und kein unnötiges Prolongieren eines vom Betroffenen ungewünschten Unterbringens... Die Forderung müßte in die Richtung gehen, dass Gelder für Kriseninterventionen anderer Art als der geschlossenen Unterbringung in der Psychiatrie auf Krankenschein zur Verfügung zu stellen sind".

Ein anderer schreibt:

"Den Iniatiatoren ist geht es nur um eins. Um die Erhaltung der Honigtöpfe. Es ist bekannt, dass man sich in der Psychiatrie Dumm und dämlich verdient und quersubventioniert wird".

Kommt uns als SozialarbieterInnen das nicht sehr bekannt vor?

Die lieben Mitmenschen übersehen die eigentlichen Verursacher der Problemlagen in unseren Arbeitsfeldern und begreifen sie nicht als die Folgen einer neoliberalen Vermarktungspolitik und eines neuen, ökonomisch gesteuerten inhumanen Menschenbildes, das seit Jahren die Praxis im Sozialbereich wie im Gesundheitswesen verengt und verschlechtert. Stattdessen weisen sie  die Schuld für diese Probleme einfach mal den dort Arbeitenden zu, denen man vorwirft, sich ihre Arbeitsplätze erhalten und sich eine goldene Nase verdienen zu wollen.

Welche verquere Sicht! Welche Blindheit vor den eigentlichen Hintergründen der Probleme!

In den opablog-Beispielen geht es im Kontext des Mollath-Skandals um die offenbar zunehmende Tendenz unserer Gesellschaft, Menschen über die Psychiatrie mundtot zu machen, sie gegen ihren Willen mit Medikamenten still zu stellen und einfach gewaltsam festzuhalten. Diese Tendenz soll hier durchaus nicht bestritten, sie muss offen gelegt und unterbunden werden. Wir kennen diese Problematik selbst ja auch aus der Diskusssion um die geschlossene Unterbringung in der Jugendhilfe) -
Aber diese hoch problematischen Erscheinung einer Indienstnahme der Psychiatrie für das Wegsperren unangenehmer Zeitgenosen ist "nur" Zeichen einer zunehmnde autoritären und menschenfeinlichen gesellschaftlichen Entwicklung. Sie den angeblich geldgierigen und scheinheiligen MitarbeiterInnen in die Schuhe zu schieben ist ein starkes Stück.
Aber dass das so ist, darüber sind die leiben Mitmenschen sich ganz schnell einig. Da lohnt es sich nicht einmal, die Petition und ihre Begründung genau zu lesen. Denn so merken die Autoren solcher Kommentare nicht einmal, dass Die Initiative gegen PEPP verschiedene ihrer Forderungen unterstützt.

Aber weil ihnen auf Grund von individuellen Erfahrungen und einer leichtfertigen Generalisierung solcher Erfahrungen Psychiatrie grundsätzlich etwas Überflüssiges und Gefährliches erscheint (was wiederum die Notlagen seelisch Kranker unterschätzt und eigentlich auch verhöhnt) möchte man sie am liebsten abstellen - statt Forderungen zu unterstützen, die zu einer Veränderung der jetzigen Verhältnisse führen bzw. eine weitere Enthumanisierung verhindern könnten.

So reagieren viele, sogar und gar nicht selten auch Linke auf die Forderungen der Profession Soziale Arbeit nach der Abschaffung der deproffessionalisierenden Finanzierungs- und Arbeitsbedingungen - nach dem Motto: "Die Sozialarbeiter, die passen Menschen doch nur an das System an, sowas wollen wir gar nicht erst unterstützen, dann passen sie die Menschen nur noch besser an."

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