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Inklusion - Beitrag zur Blogparade

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Anmerkungen zum Thema INKLUSION

Unabhängiges Forum kritische Soziale Arbeit

 

Ein kritischer Blick auf den Begriff in aller Munde: INKLUSION 

 

Vorbemerkung:

 

Als ich neulich mit der Broschüre „Inklusion“ der Bundesregierung unter dem Arm bei meinem Hausarzt ins Behandlungszimmer trat, bemerkte er: „Inklusion? Das ist eine sehr zweifelhafte Sache! Wissen  Sie das?“  Ich hatte den dicken Band dabei, weil ich mir damit die lange Zeit im Wartezimmer vertreiben wollte. 
„Wieso?“ fragte ich überrascht. „Na meine Sonderschülerinnen, die bisher einigermaßen gut beschult worden sind, gehen seit kurzem in die normale Grundschule, wo sie sich durch die Bank überfordert fühlen. Aber einmal in der Woche kommt für eine ganze Stunde eine Sonderschullehrerin und gibt ihnen Stützunterricht. Was ist das für eine Inklusion, die die Menschen hereinholt und dann alleine stehen lässt? Da geht es nur ums Sparen. Alles andere ist Süssholzgeraspel.“
 

Interessant, dachte ich und brachte das Thema dann doch erst mal auf meine Rückenschmerzen. 

Aber tatsächlich, ich hatte die ganze Zeit, während ich die schönen, warmen Worte in diesem Band las, das Gefühl, über eine riesige, wunderschöne Blumenwiese zu gehen. Aber immer, wenn ich mich bückte, um eine Blume zu pflücken, war sie aus Plastik und strömte einen künstlichen Duft aus.

   

Was bedeutet Inklusion heute wirklich?

 Michael Winkler hat schon 2010 in einem Vortrag die wesentlichen Punkte genannt, die diese Inklusionslyrik so gefährlich machen und die die dahinter stehenden Absichten und Praxen entlarven können: 

Der Begriff der Inklusion erscheint zunächst als ein Begriff, der auf eine gerechtere, humanere Welt zielt.

In Abgrenzung zum Begriff der Integration meint Inklusion, Menschen als Individuen mit ihren Unterschiedlichkeiten und Differenzierungen völlig gleichberechtigt an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen; besser noch: ihre Beteiligung zu erkämpfen. Die Akzeptanz von Andersartigkeit, das Recht auf Scheitern und Abweichungen von der Norm bestimmt das Maß an Inklusion.

Eine besondere Bedeutung erhält der Begriff der Inklusion in Bezug auf die Rolle behinderter Menschen in der Gesellschaft, insbesondere im Kontext der Beschulung behinderter Kinder: „Die noch vor vierzig Jahren völlig gängige Praxis der Segregation, Isolation, Fremdbestimmung und Benachteiligung von behinderten Menschen, deren Alltag von der Exklusion in Sondereinrichtungen und dem abgeschnitten Sein von allgemeinen gesellschaftlichen Ressourcen geprägt war, mündete zu dieser Zeit in einer immer stärker werdenden Protestbewegung gegen diese Ungleichbehandlung. … Im Fokus der gegenwärtigen Diskussion stehen besonders die schulischen Veränderungen“ (Siegel 2014 ).

 Winkler erläutert:

 „Mit Inklusion wird also das anspruchsvolle Programm vorgetragen, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit, in ihrer je besonderen Verfassung, die sie aufgrund ihrer Naturausstattung, ihrer Lebensgeschichte, aufgrund von Krankheit oder besonderer biographischer Entwicklung haben oder erleiden mussten, zuerst Würde zukommen zu lassen …“ … „Deutlich wird das kritische gesellschaftskritische Element des Ansatzes, das nicht nur in der Erinnerung an Würde als zentrale Kategorie des neuzeitlichen humanen Selbstverständnisses und als Grundsatz aller modernen Verfassung erinnert, sondern zugleich ins Bewusstsein hebt, dass und wie Würde eben nicht realisiert wird. “… „Menschen sollen also – und das klingt angesichts der Dramatik von Exklusionsprozessen viel versprechend – durch unterschiedlichste Maßnahmen in eine Gesellschaft zurückgeführt werden, aus der sie ausgeschlossen worden sind“.

Gilt Inklusion auch für Menschen mit sozialer Benachteiligung?

Es ist aber bei dieser Inklusions-Vision – zumindest jenseits der Fragen der Beschulung behinderter Kinder oder der Lebenslage behinderter Menschen überhaupt – offensichtlich gar nicht an diejenigen gedacht, die die Gesellschaft bisher, statt sie zu integrieren, ausgeschlossen hat, deren Ausgeschlossenheit auf gesellschaftlich bedingten Benachteiligungen beruht.

Was hier beschworen wird, hat insofern mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit nichts zu tun. Von der Tatsache, dass in unserer Gesellschaft Menschen auf grund ihrer Armut bzw. ihrer angeblichen Nutzlosigkeit zu Überflüssigen gezählt und gemacht werden, ist hier nicht die Rede. Insofern klingt dieser schöne Traum wie eine Ablenkung von der sozialen Wirklichkeit unserer Verhältnisse. Der Traum richtet sich offenbar an die, die ihn sich leisten können und die in einer Welt leben, in der es Armut, Behinderung, Arbeitslosigkeit, Deprivation und Exklusion gar nicht gibt.

So stellt auch Winkler fest:

 „So schön das Konzept der Inklusion klingt, es hat nicht nur recht wenig mit den gesellschaftlichen Realität zu tun…..“ …„Nicht minder deutlich wird der Maßstab eines dem gegebenen Wohlstandsniveaus angemessenen sozialen und kulturellen Lebens“.

 "Es reicht nicht, etwas zu dürfen, man muss es auch können" 

(Pispers in seinem neuen Kabarett-Programm 2014)

 Inklusion und ihre erweiterten Rechte können nur die für sich nutzen, die die entsprechenden Kompetenzen und Ressourcen dafür besitzen. Es ist bei der Inklusion erst mal nur von den Rechten aller Menschen auf Teilhabe die Rede, es geht weniger um die Unterstützungsleistungen, damit man diese Teilhabe auch wirklich für sich realisieren kann. Aber Rechte muss man einfordern können, muss man oft auch einklagen und erkämpfen. Das kann nicht jeder. Die hier beschriebene „Freiheit und Gleichheit“ aller, die individuelle Besonderheiten und Merkmale einfach ignorieren möchte, kann nur der für sich nutzen, der dafür auch die entsprechenden Kompetenzen besitzt.

  Dazu Winkler:

 „Das Dilemma dieser modernen Gesellschaften besteht also darin, dass sie letztlich in ihrer Pluralität und Vielfalt von Situationen nur von Menschen bewältigt werden, die in einem hohem Maße entwickelt haben, was man heute als Kompetenz bezeichnet – nämlich eine Mischung aus abstrakten Fähigkeiten, allzumal solchen zum Networking, von Disengagement und Flexibilität, die wir weder bei der Klientel der Heilpädagogik noch bei der der Sozialpädagogik voraussetzen können. Und zwar deshalb nicht, weil sie ihnen lebensgeschichtlich vorenthalten worden ist.“ 

Das bedeutet, „dass sie keine Schutzzonen finden, keine – wie Hartmut Rosa dassagt, Entschleunigsinseln, die sie für das Aufwachsen benötigen, am Ende auch nicht die Institutionen, die sie benötigen, um sich zu behaupten und die eigene Freiheit erproben zu können, … Die modernen Gesellschaften bergen schlicht die Gefahr in sich, dass jene Entwicklungsvorgänge gar nicht mehr möglich werden, welche generell für das Aufwachsen, für Sozialisation, für Personwerdung erforderlich sind, welche erst recht Menschen benötigen, die in die Krisendynamik geraten sind, wie sie durch Belastungen ausgelöst wird, welche sich nicht bewältigen lassen.“

 Und mit Winkler ist weiterhin festzustellen:

 „… der Gewinn der Inklusionsstrategie verkehrt sich also gegen sie (gegen die, die inkludiert werden sollen; erg. d. V.), weil sie unter individuellen und sozialen Bedingungen die eigene Individualität geltend machen sollen und müssen, unter denen sie eben dies nicht können. … Die für autonom erklärten Subjekte dürfen, können und müssen sich in einer diffusen Welt orientieren, für die sie eigentlich nicht befähigt wurden. Man nimmt ihre Eigenarten hin, erklärt die als Ausdruck von Autonomie und überlässt sie sich selbst, die begleitende und unterstützende Hilfe wird faktisch verweigert, weil sie im Konzept nicht vorgesehen ist.“

In dem bemerkenswerten Artikel „Warum werden Wesensmerkmale wie Behinderung, Begabung oder sexuelle Identität wegdiskutiert? Das Neueste aus dem Paradiesgärtlein der Inklusion“ von Christian Geyer  in der FAZvom 21.07. 2014 heißt es: 

"Heute steht man vor dem Paradox, dass die begriffliche Gleichstellung der Unterschiede – ihr Unsichtbarwerden – recht eigentlich erst die lebensweltliche Diskriminierung schafft, die man doch verhindern will. Man kann im Interesse der Betroffenen nur davor warnen, die unterschiedlichen Bedürfnisse so weit zu nivellieren, dass sie am Ende nicht mehr geltend gemacht werden können.

 Inklusion heißt "Einschluss".

Einschluss bedeutet nicht: hereinlassen, willkommen heißen, dem eingelassenen Raum geben für seine eigene Identität. So könnte man eher Integration interpretieren, wohl wissend, dass auch unter diesem Begriff Dinge gelaufen sind, die das Gegenteil dieser Absichten bewirkt haben. Inklusion, der bewusste und gewollte “Einschluss" kann auch so interpretiert werden, dass die Gesellschaft die zu Inkludierenden in sich aufnehmen will, sie sich einverleiben will, sie sozusagen mit ihrer Besonderheit im Allgemeinen verschwinden lassen will. Wenn das letztlich mit Inklusion gemeint sein sollte, wird hier Menschen ein Inklusionsangebot gemacht, aber es ist nur zu dem Preis zu bekommen, dass sie ihre Besonderheiten und Identitäten aufgeben, dass sie sich angleichen und den vorhandenen Mainstream bedienen. So wird z.B. im Namen der Inklusion von AusänderInnen erwartet, dass sie sich wie Deutsche verhalten, statt wie Ausländer, die sich in ein für sie fremdes Land integrieren, dabei aber ihre ethische und kulturelle Identität nicht verstecken wollen.

Winkler kommentiert dieses Verständnis von Inklusion wie folgt:

„Damit gehen (die Vertreterinnen der Inklusionspolitik, Erg. D. V.) notwendig von einem dann mehr oder weniger geschlossenen Zusammenhang aus, in welchen die Einzelnen hineingeholt werden sollen oder müssen – übrigens ganz unabhängig davon, ob die Einzelnen das überhaupt wollen. Das hört sich etwas zynisch an, doch muss man sich im Klaren darüber sein, dass Inklusion in jedem Fall verlangt, wenigstens den Grundprinzipien zuzustimmen, die in einer Gesellschaft herrschen. Dabei ist es nun keineswegs damit getan, wie die Debatte um Inklusion gerade gegenüber anderen Formen von dann sozialer Integration betont bzw. betonen möchte, dass es allein um Sicherung des formalen Rechtsstatus gehen soll. Wer inkludiert wird oder inkludiert sein möchte, gibt schon zu mehr seine Zustimmung, beispielsweise dazu, sich auf Lebensmuster einzulassen, die etwa mit kapitalistischen Wirtschaftsformen, mit der Bereitschaft etwa verbunden sind, die eigene Arbeitskraft als Ware auf dem Markt nicht nur wohlfeil – also auch zu Niedrigstlöhnen – anzubieten".

Es entsteht im Rahmen von Inklusionspraktiken eine neue Art der Exklusion

 Für Menschen, die mit den Erwartungen einer Inklusion überfordert sind und Menschen, die als Folge der Inklusion, die ihren Hilfebedarf genauso wie ihre Besonderheiten verwischt und vernebelt, vergeblich auf die notwendige Unterstützung warten, die sie dringend brauchen, wird die Inklusion zur Falle und letztlich zur neuen Ausschließung. Die im Beispiel oben von meinem Hausarzt zitierten Kinder, die früher in der Sonderschule (im besten Fall) eine besondere Betreuung, Förderung und Behandlung erhielten, müssen heute in der Regelschule mitkommen und irgendwie funktionieren. Die Unterstützung, um das zu schaffen, ist aber massiv zusammengeschrumpft gegenüber der alten Regelung.

Winkler meint dazu:

  „Die psychosoziale Menschenbearbeitung zielt jedenfalls darauf, dass die Einzelnen am Ende gut funktionieren, gemäß der Standards, die an allen Ecken und Enden dieser Gesellschaft verbindlich gemacht werden – wenn man hier noch von Inklusion sprechen will, dann doch nur noch in einer hoch abstrakten Vorstellung, die eben nicht mehr auf individuelle Eigenart, sondern auf flexible Anpassung an gesellschaftliche, vor allem an ökonomische Imperative gerichtet ist.“

Gerade im Rahmen der neoliberalisierten Sozialen Arbeit können wir erkennen, dass die Praktiken, die sich aus der Vorstellung ableiten, der Einzelne sei für sich ganz alleine selbst verantwortlich, zu einer neuen Art von Exklusion führen:  

  • Angebote haben sich neuerdings zu rechnen. Klienten können effizient aber auch ineffizient sein. Investiert wird aber nur noch in Menschen und Projekte, die sich als effizient erweisen. „Massenhaft werden junge Menschen in sogenannten ausbildungsvorbereitenden Maßnahmen von Sozialer Arbeit geparkt, ohne dass die Gründe für diese Situation ausreichend von Sozialer Arbeit benannt werden. Die Verantwortung für die Lage, in der sich diese jungen Menschen befinden, wird (bewusst oder unbewusst) ihnen selbst angelastet“ (Redmann 2010).
  • Der hohe Anteil an Kontrolle und Disziplinierung, der inzwischen in der Sozialen Arbeit wieder salonfähig geworden ist, verhindert eine Inklusion und erzeugt massive Ausgrenzung.
  • Die Einsparungen und das Zurückfahren der ambulanten Hilfen zur Erziehung verweisen die Menschen - trotz ihres Rechtsanspruches auf Hilfe - verstärkt auf sie selbst. Hilfen werden nur noch in massiven Fällen von Kindeswohlgefährdung gewährt. Was nach Gesetz eindeutig einen Anspruch auf individuelle Hilfe begründet, wird heute als zu harmlos zurückgewiesen.
  • Menschen werden im Zuge der Verehrenamtlichung der Sozialen Arbeit  auf die Unterstützung von Familie, Nachbarschaft und Barmherzigen verwiesen und damit einer zufälligen und willkürlichen, sowie oft nicht fachlich angemessenen Hilfe ausgeliefert.

 So stellt auch Winkler fest:

„Wir können Praktiken im Feld der Sozialen Arbeit beobachten, bei welchen unter dem Stichwort der Sozialraumorientierung Menschen schlicht auf sich verwiesen werden; Inklusion heißt dann, man soll selbst bewältigen, dass Infrastrukturen verschwinden, Ressourcen ausgedünnt werden. Ähnliches lässt sich zuweilen – oft politisch erzwungen – dort beobachten, wo großspurig von Case-Management gesprochen wird.

Menschen erhalten dann zwar noch Transfermittel, sollen aber ihre Autonomie gewinnen, indem sie mit diesen Mitteln ihre Lebenssituation selbst bewältigen. Die begleitende Unterstützung wird dann mit dem Hinweis verweigert, dass sie zur Unselbständigkeit und so am Ende zu einer Ausgrenzung führt.“
„Im Unterschied zu traditionellen Mustern der Klassenbildung mit ihren sozialen und kulturellen Bewältigungs- und Widerstandsformen, im Unterschied selbst zu den bislang vertrauten Mustern der Armutsentwicklung zeichnet Ausschluss aus, dass er vergleichsweise willkürlich, zuweilen kontingent und von den Akteuren kaum mehr steuerbar erfolgt. Dass doch ein jeder sich bemühen solle, ist Zynismus pur“. …

 „So paradox das klingt: die Exklusion findet inzwischen mitten in den Gesellschaften statt, sie macht vor kaum jemandem Halt. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass in Folge zunehmend strikter praktizierter marktliberaler Modelle, welche die wohlfahrts- und sozialstaatlichen Politiken mit ihrer Sicherung des Lebenslaufes ersetzen, Sicherungen und Sicherheiten verschwunden sind, ersetzt werden durch einen aktivierenden Sozialstaat, der selbst auf soziale Infrastrukturen verzichtet, Programme favorisiert, mit Initiativen arbeitet und Incentives setzen will, die Menschen in Bewegung bringen sollen – denen aber Wege fehlen, erst recht Räume, in welchen sie reputierlich leben können.“

 

Inklusion als Motto des aktivierenden Staates bedeutet, den Einzelnen der Selbstverantwortung überlassen

 Die Inklusionsthematik transportiert als scheinbar humanistischer Begriff die zentralen neoliberalen Vorstellungen des aktivierenden Staates von der Selbstverantwortung des Einzelnen, bringt  mehr oder wenig verbrämt die liberalistische Ideologie zum Ausdruck und transportiert sie in die Soziale Arbeit hinein. Sicher nicht zufällig ist die moderne Diskussion um den Inklusionsbegriff zeitgleich mit der Ideologie des aktivierenden Staates aufgetreten.

 Winkler:

 „Endlich – und dafür spricht die zeitliche Koinzidenz des Auftretens – könnte und kann das Konzept der Inklusion als ein Element in der Politik des aktivierenden Sozialstaats gesehen werden, wie dieser nach der marktliberalen Wende nun zunehmend etabliert werden soll?
 Der aktivierende Sozialstaat verzichtet bekanntlich – jenseits seiner punitiven Maßnahmen - weitgehend auf Infrastrukturen, setzt auf Bemächtigung und Inzentives, korrespondierend dazu verlangt er die Selbstverantwortung der Hilfebedürftigen. …die Codierung der Pragmatiken über die Selbststeuerung der Individuen (steht, Erg. Der V.) stets in der Gefahr, diesen eine Selbstsorge aufzuerlegen, der sie dann doch nicht nachkommen können.“

 Wer als Hilfebedürftiger seine Hilfebedürftigkeit nicht mehr zeigen darf, wer als „ganz normal“ hochgelobt wird, obwohl er besondere Unterstützung von der Gesellschaft brauchen würde, der bleibt im Kontext dieser Inklusionsideologie im Regen stehen. Das „Dürfen“ zu gewähren ist eben das eine und das kostet kein Geld. Dafür zu sorgen, dass die, die jetzt dürfen, es auch können, das ist das andere und das würde natürlich Geld kosten. Aber hier liegt der Hase im Pfeffer:

 Inklusion als Zaubermittel für den kostenlosen Sozialstaat

Wenn die Inklusionspolitik die Notwendigkeit der Schaffung und Finanzierung von Infrastruktur, von Unterstützungsleistungen, von Kompensation bestehender sozialer oder anderer Benachteiligung, Behinderung und mangelnder Ressourcen als obsolet erklärt – wenn diese damit also entsorgt werden können, so haben wir das perfekte Sparprogramm vor uns, dass sich der aktivierende Staat nur wünschen kann. 

„Behinderten wird im Zuge dieser Entwicklung zwar ein größeres Maß an Rechten zugestanden, jedoch nützen ihnen diese Rechte wenig, wenn sie von Ressourcen in den verschiedensten Bereichen abgeschnitten bleiben. Auch seien in Ländern, in denen ein gemeinsamer Unterricht Zuspruch fand, schließlich nicht zuletzt aus Kostenersparnisgründen eben keine funktionierenden Inklusionsmodelle installiert worden“. (Theunissen 2010  S. 17)

 

 

 

Literaturhinweise:

 Winkler, Michael (2010): Profession braucht Inklusion - Zum Selbstverständnis sozialpädagogischer Berufe in Kindertagesstätten.GEW-Tagung am 29. / 30. Oktober 2010 in Fulda.

Siegel, Michael (2014): Inklusion - eine Vision vom Miteinander durch Teilhabe; Hausarbeit. Berlin.

Redmann, Björn (2010): Inklusion? Von wegen! In : Corax 1/2010.

Theunissen, Georg, Schirbort (Hrsg.) (2010): Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung, Zeitgemäße Wohnformen - Soziale Netze – Unterstützungsangebote, 2. Auflage, Kohlhammer GmbH, Stuttgart

 

 

 

Dieses Posting erscheint im Kontext der Blogparade, die das Blog jugendhilfe-bewegt-berlin.de in der Zeit vom 1. bis zum 5. Dezember 2014 veranstaltet:

 

An dieser Parade sind folgende anderen Blogs beteiligt: 

 

www.zollondz-kommunikation.de

 

http://inklusionsfakten.de/

 

http://mampel.wordpress.com/

 

www.sozialvernetzer.de

 

http://blog.inklusive-entwicklung.de/

 

https://www.aktion-mensch.de/blog/beitraege.html

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