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Erklärung zur ASD Situation

Seit fast zehn Jahren haben wir verstärkt auf die Situation im ASD hingewiesen. Die Probleme zeichnen sich durch folgende Komponenten aus:

  • Durch die gesellschaftlichen Entwicklungen hat die Anzahl von zu unterstützenden Menschen zugenommen und ihre Probleme sind komplizierter und langfristiger geworden. Dies führte zur Fallzunahme wie auch zu einer höheren zeitlichen Bearbeitung zur Bewältigung der Probleme.

  • Begleitende und unterstützende soziale Arbeit ohne gesetzliche Pflicht wie Beratungs- und Freizeiteinrichtungen wurde permanent reduziert oder abgebaut, um Kosten zu senken. Die Konsequenz ist, dass die Menschen direkt beim ASD Hilfe suchen. Zu wenige Angebote niedrigschwelliger Vor- und Nachbetreuung führen dazu, dass die Familien beim ASD zum Fall werden.

  • Das Personal wurde bei der FHH seit 1992 auch beim ASD permanent abgebaut, und erst in den letzten Jahren wurden wieder Stellen zusätzlich bewilligt. Die ‚neu‘ hinzu gekommenen Stellen können aber den bisherigen Abbau und die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht auffangen. Sonderaufgaben wie Familieninterventionsteams, Kinderschutz und Gewaltprävention verstärken nicht die Basis-Belegschaft.
  • In einer Harburger Untersuchung wurde als Ergebnis festgestellt, dass 30 Fälle pro Vollzeit-Sozialpädagogln die Anforderungen an qualitativ gute soziale Arbeit erfüllen würden. Derzeitig sind die Hamburger ASD-Kolleginnen und ASD-Kollegen für zwei- mitunter bis dreimal so viele Familien verantwortlich.

  • Aus unterschiedlichen Gründen sind die Dokumentationspflichten in den letzten Jahren (permanent) mehr geworden. Jede sozialpädagogische Beratung, jede Meldung muss nachvollziehbar sein. Die Verantwortung für die nicht zu bewältigende Menge an Betreuung und Beratung möchten die Arbeitgeber bei dem/r einzelnen Sozialpädagogln abladen. Dies bedeutet oft ein Verhältnis 70:30, d. h. die KollegInnen sind mehr mit Dokumentationspflichten als mit direkter sozialpädagogischer Arbeit in den Familien beschäftigt.

  • Die Gehälter der ASD-Beschäftigten sind auf dem niedrigsten Niveau aller Sozialpädagoglnnen. Seit es bei den Kommunen eine positive finanzielle, tarifliche Entwicklung gab, ist der Entlohnungsunterschied noch größer. Junge, hoch motivierte ASD-Kolleglnnen bewerben sich eher im Hamburger Umland und haben dort mehr Geld im Portemonnaie.

  • Die Belastung der KollegInnen ist permanent gestiegen, der Arbeitsdruck nahm stetig zu, die Aktenberge sind kaum noch zu überblicken. Die Arbeitsbedingungen sind fast nicht mehr aushaltbar und machen auf Dauer krank.

  • Die Fluktuation im ASD ist hoch. Die Gründe sind vielschichtig: Ruhestand, Schwangerschaften, Langzeiterkrankungen, chronische Minderbesetzung, viel Arbeit - schlechter Verdienst. Es gibt Abteilungen, die innerhalb von zwei Jahren das komplette Team ausgewechselt haben. Es gibt Familien, die innerhalb von zwei Jahren vier verschiedene fallzuständige Sozialpädagoglnnen erlebten. Die fortdauernde Einarbeitung bindet Arbeitskraft.

Dies alles führt zu einer Situation, die dem Kindeswohl und den betroffenen Familien nicht mehr gerecht wird und für die betroffenen Beschäftigten ‚alle Grenzen‘ der Zumutbarkeit sprengt.

Die KollegInnen haben lange ‚stillgehalten‘, weil sie hofften, dass Argumente anerkannt werden und Abhilfe geschaffen wird. Gleichzeitig erwarteten sie von ihren Arbeitgebern, dass ihre Arbeit wertgeschätzt und dieser Wert auch in Geld anerkannt wird.

All das ist nicht geschehen, sondern nach vielem ‚Hinhalten‘ gibt es jetzt die Idee, 25 % der Beschäftigten eine finanzielle Verbesserung anzubieten, und der Rest geht leer aus.

Wir verstehen das als Ignoranz der Macht gegenüber unseren Anliegen und erwarten eine Umkehr.

Wir leisten gute Arbeit: Diese muss entsprechend anerkannt und gut bezahlt werden. Das gilt für alle!

Wir erwarten deshalb eine Verbesserung unserer Situation für alle - auch und gerade beim Gehalt.

V.i.S.d.P.: Sieglinde Frieß, ver.di Hamburg, Besenbinderhof 60, 20097 Hamburg


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