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* Prekarisierung Soziale Arbeit (D)

Wie davon leben?

von hartzerroller.

Mit Hilfe eines nüchternen, aber realistischen Rechenbeispieles möchte ich verdeutlichen, dass die Profession der Sozialen Arbeit bereits im akademischen Prekariat angekommen ist. Nackte Zahlen können manchmal eine große Aussagekraft besitzen.

Beispiel: Ein Dipl. Sozialarbeiter XY mit FH-Diplom, Zusatzausbildungen und Berufserfahrung, ledig, keine Kinder, vollzeitbeschäftigt aber befristet angestellt bei einem freien Träger (daher weder Anspruch auf Urlaubsgeld noch Weihnachtsgeld, kein Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge, keine weiteren finanziellen Zulagen des Arbeitgebers):

Das Nettoeinkommen des Sozialarbeiters XY beträgt im Monat: 1.600,- € (das ist heutzutage schon ein sehr guter Verdienst eines Akademikers in der Sozialbranche).

Bei einer Arbeitszeit von 39 Std. pro Woche verdient der Sozialarbeiter 9, 46-€ pro Std. Netto, bzw. 73, 84-€ Netto pro Tag.  Der Verdienst liegt somit auf Facharbeiterniveau in der Industrie, eher noch darunter.

Die regelmäßigen laufenden Ausgaben des Sozialarbeiters XY inklusive notwendiger Rücklagen pro Monat in EURO:

550,-€ Miete warm; Strom: 45,-€; Tel/Internet: 30,-€; PKW-Unterhalt (als Berufspendler mit ca.120 km Fahrstrecke proTag) einschl. Benzin, Reparaturen, Wartung, Versicherung, Steuern und Rücklagen für Neuanschaffung eines PKW ca. 400,-€; Ernährung: 250,-€; Kleidung: 50,-€; weitere notwendigeVersicherungen: 10,-€; Kultur, Hobby und Freizeit: 80,-€; Rücklage für Neuanschaffungen im Haushalt/Wohnung: 40,-€; sparen für Reisen/Urlaub: 60,-€.

Zieht man von den 1.600,-€ Netto-Einkommen pro Monat alle monatlich laufenden Ausgaben/Kosten bzw. Rücklagen ab, so bleiben am Ende insgesamt nur noch 85,-€ übrig. Leider muss der Sozialarbeiter davon eigentlich noch seine BAföG-Schulden zurückerstatten. Für eine private Rente kann er somit nicht vorsorgen.

Dieses Beispiel entspricht der Realität und ist keine Fiktion.

Im Vergleich mit anderen akademischen Berufen z.B. Ingenieurwesen, BWL , Lehrern etc. schneidet der Sozialarbeiter XY finanziell äußerst schlecht ab (z.B.: ein Bauingenieur Bachelor oder Diplom (FH)  der Fachrichtung Bauingenieurwesen verdient über 300,-€ Netto mehr im Monat als ein Dipl. Sozialarbeiter (FH) in der Stadt Hamburg). Hinzu kommt noch dieTatsache, dass das Risiko im Laufe des Berufslebens schwer zu erkranken (z.B. durch Stress oder Burn-Out) in der Sozialbranche erwiesenermaßen wesentlich höher ist, als in vielen anderen Berufen.

Fazit: Die Gehälter aller akademischen Fachkräfte in der Sozialarbeit/Sozialpädagogik müssen deutlich spürbar angehoben werden, mindestens auf Stufe TVöD-SuE Entgeldgruppe S13. Und fachschulausgebildete Kräfte wie z.B. Erzieher mindestens auf Stufe TVöD-SuE Entgeldgruppe S9.  Weiterhin müssen diverse Zusatzausbildungen der Fachkräfte ebenfalls deutlich besser honoriert werden, z.B. durch eine Höhergruppierung in den Grundgehaltsstufen, denn die (teuren) Zusatzausbildungen werden meist privat, d.h. aus eigenerTasche der Fachkräfte finanziert.

Über die miserablen Rahmenbedingungen in der Sozialbranche ist schon viel geschrieben und diskutiert worden. Diesbezüglich gilt es die Arbeitgeber für die dringend notwendigen Verbesserungen in die Pflicht zu nehmen, denn sie tragen schließlich die Verantwortung für den Schutz und das Wohlergehen des Personals.

MfG  hartzerroller

Soziale Arbeit ohne Interessenvertretung!?

So kann es nicht mehr weiter gehen. Die “Profession Soziale Arbeit” braucht dringend einen Neuanfang und zwar mit einer wirklich einflussreichen und durchsetzungsfähigen Interessenvertretung, z.B. wie es der “Marburger Bund” praktiziert.

Viele Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sind wütend und unzufrieden mit den miserablen Rahmenbedingungen in der Sozialbranche. Seit Jahren schon sehen sich immer mehr akademische Fachkräfte mit befristeter Beschäftigung, Teilzeitverträgen und Lohndumping konfrontiert und immer mehr Arbeitgeber flüchten aus bestehenden Tarifverträgen.

Die maßgeblichen Gewerkschaften und Berufsverbände der Sozialen Arbeit scheinen aber diese besorgniserregende Entwicklung nicht ernst genug zu nehmen. Oftmals werden skandalöse Fakten und Berichte diesbezüglich sogar noch heruntergespielt mit dem Argument, dass es angeblich Einzelfälle seien und es insgesamt an einer notwendigen Verifizierung von Daten und Fakten mangelt. Aber ist es nicht genau eine von vielen wichtigen Aufgaben, die man von einer Gewerkschaft bzw. Interessenvertretung verlangen kann, nämlich für gesicherte Informationen und Aufklärung zu sorgen.

Ich persönlich möchte mich zukünftig nicht mehr damit zufrieden geben, dass mir eine Gewerkschaft oder Interessenvertretung signalisiert, dass meine Wahrnehmung eingetrübt sei (quasi mein persönliches Bauchgefühl). Wenn dem so wäre, dann würde es diesen Blog “sozialarbeit.einmischen”  z.B. nicht geben, keine Arbeitskreise Kritische Sozialarbeit und auch keine Literatur zum Thema “Lohndumping und prekäre Beschäftigungsverhältnisse in der Sozialen Arbeit”.

Film von ver.di zur Bezahlung im öffentlichen Dienst

leider fehlt der Hinweis auf die Soziale Arbeit.

Film

Sozialarbeiterin wehrt sich

hier ein lesenswerter Artikel aus dem Neuen Deutschland von J. Blunt.

Viele Sozialarbeiter, -pfleger trotz Beschäftigung im Leistungsbezug ALG II

17.2.2012 von hartzerroller.

 

Statistiken der Bundesagentur für Arbeit September 2011:

Insgesamt 42.100 Arbeitslose im SGB II-Bezug mit Berufsausbildung/Studium in Sozial- und Gesundheitsberufen.

Mit 23.200 waren die meisten sozialversicherungspflichtig oder ausschließlich geringfügig beschäftigten Arbeitslosengeld II -Bezieher in den Berufen der Sozialarbeiter und –pfleger tätig. Hierin sind auch die Altenpfleger enthalten.
Dazu folgender Link:

http://www.jobcenter-ich-bin-gut.de/sites/default/files/arbeitgeber/files/Studie_Pflege.pdf

MfG hartzerroller