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Manche sind wertvoller ...

Alle Menschen sind wertvoll. Manche sind wertvoller.                      

(frei nach Orwell, 1984)

Wir leben (wieder mal) in einer Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die als wertvoller angesehen und behandelt werden als andere. 

 

Kunstreich (Grundstrukturen Sozialer Arbeit in Zeiten des Neo-Liberalismus: Neo-Sozialhygiene als Rassismus ohne Rassen. In: R. Anhorn et al.: Kritik der Sozialen Arbeit – kritische Soziale Arbeit. Wiesbaden 2012) spricht von Sozialrassismus, der heute in unserer Gesellschaft praktiziert werden darf, ohne dass sich jemand weiter aufregt.

Alle brüsten sich damit, gegen Neonazis zu sein und gegen rechte Tendenzen einzutreten. 

Tatsächlich blüht der Sozialrassismus ungehindert - auch in der Sozialen Arbeit. 

  • Es wird heute (auch in der Sozialen Arbeit) nur in Menschen investiert, die diese Investition auch lohnen.
  • Es wird den Menschen am ehesten geholfen, die den größtmöglichen und schnellsten Erfolg dadurch versprechen.
  • Menschen werden wie Gegenstände behandelt: sie werden verschoben, ausgesondert, wie Waren verkauft.
  • Menschen werden verachtet und diskriminiert und lächerlich gemacht.
  • Menschen werden für ihre Leiden und Probleme selbst verantwortlich gemacht.
  • Menschen bekommen statt Unterstützung Vorwürfe und Sanktionen.
  • Der aktivierende Staat hat mit Hartz IV den Sozialdarwinismus zur Staatsethik erhoben.

Hier darf wieder unter Druck gesetzt, sanktioniert, ausgegrenzt werden. Menschen werden auch in der Sozialen Arbeit täglich in ihrer Würde verletzt oder nur noch als Humankapital behandelt.

Ein gutes Beispiel ist der Umgang mit Menschen im Kontext Hartz IV. Die Kollegin Hannemann hat über die unhaltbaren Zustände im Jobcenter berichtet.

aus dem Newsletter von Harald Thomé 16.6.2013:

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In einer ziemlich unverschämten Pressemitteilung hat die BA-Spitze die Jobcentermitarbeiterin Inge Hannemann offen angegriffen und diskreditiert. Man kann von Inge Hannemann halten was man will, aber ein solches öffentliches Bloßstellen durch den Arbeitgeber dürfte einmalig sein. Auch Darstellungen wie sinngemäß "Wer in einem Jobcenter arbeitet, hat sich an Recht und Gesetz zu halten." können bei Fachkreisen nur ein Lacher auslösen, dem steht die Alltagspraxis und die Widerspruchs- und Klage-Erfolgsquoten-Statistik eindeutig entgegen. Hier nun die BA PM zu Frau Hannemann:http://www.arbeitsagentur.de/nn_27044/zentraler-Content/Pressemeldungen/2013/Presse-13-035.html und hier ihre Gegendarstellung: http://altonabloggt.wordpress.com/2013/06/14/bundesagentur-fur-arbeit-diffamiert-inge-hannemann/

Ich habe hier den Eindruck, dass "Getroffene Hunde bellen". Inge Hannemann spricht aus, was Betroffene, Erwerbslosengruppen, Verbände, Professoren seit Jahren versuchen der Öffentlichkeit zu vermitteln. Das kann die BA mit ihrer Position auch nicht widerlegen.

Dazu noch: http://aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de/2013/06/15.html

 
Viele SozialarbeiterInnen halten Parteilichkeit für eine überholte Erscheinung und rühmen sich neutral zu sein. Nicht wenige machen sich unmittelbar zum Erfüllungsgehilfen sozialdarwinistischer Tendenzen.

Lässt sich unsere Profession, lassen wir uns das weiter gefallen?

ms

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