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Deprofessionalisierung

Was bedeutet Deprofessionaliserung ?

Deprofessionalisierung findet dann statt, wenn immer weniger Wert auf Professionalität gelegt wird, wenn die Professionalitätsmerkmale wie Autonoimie der Fachlichkeit, wissenschaftliche Grundlagen, Nichtstandardisierbarkeit von Handlungsfoflgen und Lösungswegen) eine zunehmend geringe Bedeutung für die erforderte Leistung durch Sozialarbeitende in der Praxis spielen.

Wenn nicht mehr denkende, fachlich qualifizierte und zu eigenständigen, fachlich hergeleiteten Entscheidungen fähige PraktikerInnen gebraucht und gewünscht werden, nimmt die Soziale Arbeit Formen von Standardisierung und Bürokratisierung an, die einer professionellen Handhabung dieser "Kunst" widersprechen.  Dann kann die Arbeit auch von Computern, von angelernten Kräften oder ganz anders ausgebildeten Kräften erledigt werden. Bei einer halbwegs fachlich geleiteten  Standardisierung werden auch sie zumindest einigermaßen sinnvolle Schritte gehen - allerdings sind dies im Wesentlichen  vorgegebene  Schritte, die nur in der Lage sind, bestimmte standardisierte Fallkonstellationen richtig zu bearbeiten. Eine denkende SozialarbeiterIn wäre im Rahmen solcher Standardisierungen  möglicherweise sogar weniger erfolgreich, weil sie von den starren Vorgaben abweichen würden und das ganze Schema durcheinander brächte.

  • Handbücher, die für bestimmte Situationen genau Anleitungen enthalten, wie eine SozialarbeiterIn reagieren und hndeln muss,
  • Orientierung an Best Practice-Listen, die zwar erfolgreiche Besipiele kopieren, aber nicht in der Lage sind, über diese realen Beispiele hinauszudenken und sie kritisch einzuschätzen,
  • Evidenzbasierte Soziale Arbeit, die sich damit begnügt, das zu tun, was nach statistischen Erfahrungen meistens am esten zum Erfolg geführt hat (wobe noch die Definition von Erfolg in Frage steht),
  • Software-Programme, die die SozialarbeiterIn sicher und genau durch den Djungel der Hilfeplanung lotst, ohne dass diese dabei denken muss und ohne dass die kommunikative und pädagogische Seite der Hilfeplanung dadurch befördert wird.

all das sind Praktiken, die auf Deprofessionalisierungstendenzen hinweisen. Man bricht die Soziale ARbeit auf eine Art Ikeal-Bau-Anleitung für Laien herunter und nimmt iihr damit dei Möglichkeit, kreativ, krtisch, produktiv und wissenschaftlich verantwortlich an ihre Aufgaben heranzugehen. 

Und welches sind ihre Ursachen?

Es gibt zwei entscheidende Hintergründe für die fortschreitende Deprofessionalisierung:

1. Deprofessionalisierte Soziale Arbeit ist zum einen einfach billiger. Deprofessionalisierung ist ein Weg der Einsparung von Kosten. Sie erzeugt geringere Personalkosten.

Und wenn man mit Teilzeitverträgen, mit befristeten Stellen, mit Unterbezahlung und unbezahlten Überstunden arbeitet, muss man die Komplexität der Sozialen Arbeit und ihren Anspruch, als wirkliche kommunikative Unterstützungsinstanz zu agieren, herunterschrauben, damit sie unter solchen Bedingungen in Angriff genommen werden kann. Und wer mit Leiharbeit und Ein-Euro-Jobbern , mit ungelernten Kräften arbeiten will, muss die Soziale Arbeit zwangsläufig  fachlich so zurechtstutzen und  versimplifizieren, dass sie scheinbar sinnvoll von solchen Kräften übernommen werden kann.

Staub-Bernasconi (2007):

„Die zunehmende Standardisierung rechtfertigt den vermehrten Einsatz von Software, von gering qualifizierten, flexiblen Fachkräften, Quereinsteigern sowie die Ausweitung des Anteils von sozial ungeschützten Teilzeit- und Werkvertragskräften.“… „Die Prekarisierung der Arbeit Sozialer Dienste geht Hand in Hand mit der Standardisierung ihrer Inhalte.“

 

2. Zum zweiten scheint eine autonome Soziale Arbeit einem an Kontrolle eines so kostenintensiven Sozialen Bereiches interessierten Staat höchst verdächtig und gefährlich.

Nicht nur, dass man der Profession Soziale Arbeit Ziele und Wege vorschreibt, man definiert auch das, was als Erfolg in der Sozialen Arbeit zu gelten - natürlich fachfremd, aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

Man verlangt Wirksamkeit, ohne der Sozialen Arbeit die Bedingungen für Wirksamkeit zu gewähren und ohne die fachliche Wirksamkeitsdefinition zu akzeptieren.

Eine standardisierte Soziale Arbeit, Methoden, die sich steuern und kontrollieren lassen (wie z.B. das Casemanagement) , ein umfangreiches Berichtswesen, all das macht Soziale Arbeit nach außen übersichtlich, ermöglicht hemmungslos Ein- und Übergriffe in Fachlichkeit und sichert die Kontrolle über die Kosten und über die Ziele.

Denn die ethischen Ziele der professionellen Sozialen Arbeit sind nicht die Ziele einer Gesellschaft, der es nur darauf ankommt, ihr Humankapital zu pflegen.

 

Der Kampf um unsere Professionalität ist der Kampf für eine qualifizierte, wirklich hilfreiche und wirkungsvolle Soziale Arbeit und dient der Durchsetzung  einer gesellschaftlichen Vorstellung und Anerkennung von Sozialer Arbeit als anspruchsvolle, verantwortliche und wissenchaftlich geleitete "Kunst", für die entsprechend ausgebildet werden  und die entsprechend bezahlt werden muss.

 

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