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Prekärer Arbeitsplatz mit 50 - wie sich das anfühlt:

 

Kommentar aus meinem Blog: Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit:

Schuld an der Misere in der Sozialen Arbeit sind meines Erachtens die vielen prekären Arbeitsverhältnisse und der TVÖD. Wenn man wie ich von einer Befristung zur nächsten Befristung sich durchs Berufsleben hangeln muss, verliert man schnell die Motivation für seine Arbeit. Man ist viel zu sehr mit seinen eigenen Existenzängsten beschäftigt und hat auch Angst, seinem Arbeitgeber gegenüber Kritik zu üben, wenn die Arbeitsbedingungen/Rahmenbedingungen schlecht sind. Wie kann ich Klienten (z.B. langzeitarbeitslose Menschen) plausibel machen, sich motiviert und zielgerichtet um eine Arbeitsstelle zu bemühen und die Hoffnung nicht aufzugeben, wenn die eigene berufliche Existenz selbst permanent gefährdet ist. Diesen absurden Widerspruch müssen z.B. viele Sozialarbeiter in zeitlich befristeten Maßnahmen und Projekten im Rahmen des SGB II verarbeiten. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass man sich regelrecht verarscht vorkommt, wenn man unter solchen Bedingungen noch gute Arbeit leisten soll. Was ist das denn für ein Leben, wenn man andauernd in Bewerbungsverfahren steckt und die Trägerlandschaft abgrast um einen Arbeitgeber zu finden, der noch unbefristete Stellen anbietet. Meine berufliche Vita weist einige Befristungen auf und ich bin mir sicher, dass Arbeitgeber in Bewerbungsverfahren das nicht als besonders positiv werten. Obwohl die Soziale Arbeit von solch prekären Arbeitsverhältnissen übersät ist, muss man sich als Bewerber für die Brüche in der beruflichen Vita (z.B. durch Zeiten von Arbeitslosigkeit nach einer Befristung) auch noch rechtfertigen.
Ältere Sozialarbeiter/Sozialpädagogen werden auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, da zu teuer. Über diese Tatsache wird nie berichtet und kein Schwein interessiert wie es sich anfühlt, wenn man mit Anfang 50 (sehr gut ausgebildet, mit Leitungs- und Führungserfahrung) unter solchen Rahmenbedingungen immer wieder neu um einen Arbeitsvertrag kämpfen muss. Für uns soziale Profis gibt es bei drohender Arbeitslosigkeit kein staatlich gefördertes Kurzarbeitergeld, keine staatlich geförderten Beschäftigungs- oder Konjunkturprogramme. Wer von uns arbeitslos wird zieht eben die Arschkarte und muss sich, wenn er Pech, gleich mit Hartz-IV anfreunden.

MfG
Raimund Janßen

Kommentare  

 
Gündisch
#1 Gündisch 2013-05-12 13:04
Exakt , so ist es, besser hätte ich es nicht beschreiben können. Bin Mitte 50, Sozialarbeiter. Habe + mache genau die Erfahrungen, die Du auch machst.

Also, was ist zu machen, damit sich für uns etwas zum Guten wendet?

Generalstreik, deutschlandweit?

Leider ist es so: Wir Sozialarbeiter sind allermeist nur Labertaschen. Wir sind unfähig gemeinsam etwas für uns zu tun. Siehe Lohnverhandlung en der letzten Jahre.

Ich kann nur raten: Wenn man noch jünger ist, schnell raus aus diesem Beruf oder falls man die Absicht hat Sozialarbeiter werden zu wollen......nur das nicht!!!!!
 

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