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Absurde Stellenangebote nehmen drastisch zu

Da ich schon seit geraumer Zeit u.a. im Internet auf Stellensuche bin ist mir aufgefallen, dass die Stellenangebote für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen immer absurder werden. 

Hier ein aktuelles Beispiel aus der Jobbörse der Agentur für Arbeit:

Der Sozialdienst katholischer Frauen in der Stadt XY ist Träger einer Vielzahl von Angeboten in der Kinder-, Jugend-, Familien-, Sozial-, Gefährdeten- und Gesundheitshilfe.

Wir suchen für sofort

einen Dipl. SozialarbeiterIn / Dipl. SozialpädagogIn

für 11,75 Stunden wöchentlich plus variabler Stunden von bis zu 5 Std./w. für den Bereich Betreutes Wohnen gem. § 53 und 67 SGB XII

Ihre Aufgaben:
• Beratung und Hilfen für den o.g. Personenkreis einschl. Schuldnerberatung als integratives Angebot
• Sicherung und Beschaffung von Wohnraum und Arbeitsstellen
• Durchführen von Gruppen- und Freizeitangeboten einschl. Fahrten
• Arbeiten mit älteren Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten mit einer Suchterkrankung
• Mitwirkung bei der Weiterentwicklung des Konzeptes

Für mich erscheint dieses Stellenangebot so als ob da jemand, der keine Ahnung von professioneller Sozialer Arbeit hat, am Werk gewesen ist. Da wird alles in einen Sack geschmissen, wie hier z.B. unterschiedlichste soziale Aufgabenbereiche und in eine Teilzeitarbeitsstelle gepresst,- und dabei soll noch qualitativ gute bzw. hochwertige Soziale Arbeit herauskommen? Ich kann da nur noch mit dem Kopf schütteln, -mich frustriert sowas nur noch und macht mich echt sauer.

Kommentare  

 
sozfred
#5 sozfred 2016-08-06 20:51
Diese Beobachtung inklusive Verwunderung kann ich voll teilen. Es ist ein Trauerspiel. Insbesondere sehe ich diese absurde Stundenzahl kritisch. Ein guter Arbeitstag mit mal fett Überstunden mehr ist es nicht. Dafür möchte man dann die Welt gerettet haben plus einige zusätzliche Aufgaben. Und die restlichen Lücken wird man auch noch mit Arbeit füllen. Eine solche Stellenausschre ibung weist nicht nur Unwissenheit aus , sondern auch Ignoranz und fehlender Respekt gegenüber der Profession.
 
 
Sabine
#4 Sabine 2016-04-19 09:39
Das Phänomen der kenntnislosen Stellenausschre iber in Kombination mit unvorstellbar dreisten Anforderungen ist leider in allen Branchen zu finden. Unten das Beispiel eines namhaften Weinvesandhändl ers aus Tornesch, der einen Werbetexter, Lektor, Sommelier oder Önologe und Übersetzer in einer Person sucht, belastbar versteht sich. Wer diese Position bedienen kann, ist hoffentlich so klug, nicht unter 120.000,- anzutreten, denn er wird keine Konkurrenz haben.

"Sie kennen sich gut mit Weinen, Champagnern, Spirituosen, Delikatessen und entsprechenden Accessoires aus und wissen, wie man exquisite Produkte mit Worten schmackhaft macht. Sie haben eine Ausbildung zum/zur Sommelier erfolgreich abgeschlossen oder das Advanced Certificate vom Wine and Spirit Education Trust (WSET) erworben oder ein erfolgreich abgeschlossenes Studium in Önologie, Internationaler Weinwirtschaft oder Weinbetriebswir tschaft absolviert. Zudem besitzen Sie Berufserfahrung als Werbetexter/in im Dialogmarketing . Sie treffen den richtigen Ton für unterschiedlich e Zielgruppen und können mit kreativen Headlines ebenso begeistern wie mit pointierter Longcopy. Sie können Texte redigieren und zur Publikation vorbereiten. Ein sicherer Umgang mit MS Office ist für diese Position unabdingbar. Sie überzeugen durch Kreativität und Leistungsorient ierung, auch ein ausgeprägter Teamgeist zählt zu Ihren Stärken. Zudem sehen Sie Deadlines nicht als Stressfaktor, sondern als Herausforderung . Sehr gute und übersetzungstau gliche Fremdsprachenke nntnisse in Englisch sowie solide Kenntnisse in einer romanischen Sprache (Französisch, Spanisch oder Italienisch) runden Ihr Profil ab."
 
 
Michael Winter
#3 Michael Winter 2014-10-27 08:22
Wenn FachkollegInnen sich auf eine solche Anzeige bewerben, d.h. wenn der Träger auf solch formulierte Unverschämtheit en überhaupt eine Reakton erhält, dann werden solche Arbeitsverhältn isse überhaupt erst möglich. An den/die Träger sei adressiert: man muss ein offenkundig defizitäres Angebot nicht ums "Verrecken" am Markt erhalten. Jede Currywurstbude, die nur an zwei Tagen der Woche ihre Würste verkauft, würde den Geschäftsbetrie b einstellen. Man muss einer Komune auch mal sagen: "Wenn ihr ein 67er Angebot nicht ausreichend belegen könnte, dann müsst ihr Eure "paar" Klienten eben selber versorgen. Denn das ein solches Angebot, wie das obige, offenkundig wirtschaftlich nicht tragfähig ist, liegt auf der Hand. Bei manchen Trägern hat man jedoch den Eindruck, sie halten ihr Angebot auch dann noch am Markt, wenn der Dampfer sich schon unterhalb der Wasserlinie befindet.
 
 
Stephan Müller
#2 Stephan Müller 2012-08-09 12:29
Das hier die Agentur für Arbeit ihrer Vermittlungspfl icht mal wieder nach Quotenlage nachkommt, finde ich jetzt nicht wirklich überraschend.
Das sog. "freie Träger", oder sog. "Wohlfahrtsverb ände" und auch städtische Stellen sich mittlerweile jedoch in ihren Stellenausschre ibungen Formulierungen bedienen wie:

(Wir erwarten!!)Prof il: - Studium der sozialen Arbeit(FH oder Universität), oder ähnliche Qualifikation
- Systematische Zusatzqualifika tion erwünscht
- Bereitschaft zur Abend und/oder Wochenendarbeit
- Hohe psychische und physische Belastbarkeit
- Flexibilität
- Bereitschaft zur Konzeptionelle Mitarbeit
- Ausgeprägte Kenntnisse in Rechtsgebieten des SGB und angrenzender Gesetze
- Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
- Etc............ .....

(Wir bieten!!)
- Einen interessanten und vielseitigen Arbeitsplatz
- Die Möglichkeit zur Fort und Weiterbildung
- Supervision
- Ein motiviertes Team
- Eine Vergütung nach haustarif (in Anlehnung an den TV-L)

finde ich eine Frechheit schlechthin!!!!!
Es besteht hier eine Erwartungshaltu ng an potentiellen BewerberInnen, die vollkommen überzogen -in keinem Fall- mit adäquaten Gegenleistungen - begründbar ist. Selbstverständl ich wissen die Verantwortliche n (Geschäftsführe r und ihre Seilschaften in der Politik und in den Behörden) um diesen Umstand. Jedoch ist hinter verschlossenen Türen (Landes/Bundesv erbänden, Arbeitsgemeinsc haften....) schon längst eine gemeinsame Absprache erfolgt, was verlangt und angeboten wird. Da "hackt die eine Krähe der Anderen kein Auge aus". Man kennt sich eben in den Funktionsstelle n und Entscheidungsgremien.

Ein schöner Gruß aus der Hansestadt Bremen!
 
 
Exzellenz-Illusion
#1 Exzellenz-Illusion 2012-05-29 13:28
Da hatte wohl tatsächlich einer keine Ahnung beim Abfassen des Stellenangebots - denn wenn jemand, der z.B. noch Anspruch auf ALG I hat, diese Stelle annimmt und die zusätzlichen fünf Stunden fällig werden (also insgesamt 16,75 h/Woche), dann verliert er seinen Anspruch auf ALG I.
Dennoch gibt es Verzeifelte, die solche Stellen annehmen. Menschlich verständlich aber irgendwie traurig, daß Leute zu so was gedrängt werden ...
 

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