Bitte meldet Euch an, da Beiträge und Kommentare nur von angemeldeten Nutzer_innen verfasst werden können.

Anmelden

Prof. Hans Thiersch: Rede auf der Abschlusskundgebung am 19.3.2013 auf dem Potsdamer Platz

thiersch2

Rede von Prof.Dr.Hans Thiersch am 19.3.2013

Wir sind zornig und empört

im Namen der Not unserer AdressatInnen, der Kinder, der jungen Menschen, der Familien, der Menschen, die am Rand der Gesellschaft in Not und Exklusion leben und die Unterstützung bräuchten.

Wir sind zornig und empört

im Namen unseres Arbeitsauftrags, Unterstützungen zu leisten im Zeichen des Sozialstaatspostulats und in den professionellen Standards, weil uns dazu die Ressourcen fehlen.

Wir sind zornig und empört,

weil wir, was wir tun müssten und tun sollten und tun könnten, zu oft nicht tun können.

Die Not ist groß in unserer Gesellschaft und wächst. Gewiss nicht in allen Gruppen, nicht in allen Gegenden. Viele kommen zurecht in den gegebenen Verhältnissen. - Aber dies ist kein Einwand gegen den Skandal, dass in unserer gespaltenen Gesellschaft große Gruppen in Not, in nackter Not leben – die Armen, die auf Hartz IV oder auf Billiglohn Angewiesenen, die Alleinerziehenden, die Familien mit vielen Kindern, die Menschen mit Migrationshintergrund, die Flüchtlinge, die Menschen in psychischer Bedrängnis oder in Wohnungslosigkeit. Und: Angst und Perspektivlosigkeit dringen bis weit in die Mitte unserer Gesellschaft vor und schaffen Ängste, Verunsicherung und Panik.

Die Not ist groß, auch in der Sozialen Arbeit; sie wächst. - Gewiss, auch hier ist die Not nicht überall gleich, die Unterschiede in den Arbeitsfeldern und Aufgaben, in den Städten, in den Regionen sind beträchtlich. Es gibt neue Aufgaben, weiterführende Konzepte, Modelle von „best practice“. - Aber dies ist kein Einwand gegen den Skandal, dass in unserer immer noch reichen Gesellschaft in der Sozialen Arbeit unzulängliche Arbeitsbedingungen herrschen in vielen Gegenden, Städten und Stadtbezirken und in vielen Arbeitsfeldern, im ASD, in den Erziehungshilfen, in der Jugendpolitik, in der Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund, in der Stadtteilarbeit, in den Zonen besonderen Elends.

 

Kundgebung am 19.3.2013 in Berlin

Weitere Reden auf der Kundgebung:

am Potsdamer Platz sprachen Praktiker_innen aus verschiedenen Bereichen der Sozialen Arbeit:

Begrüßungsrede auf dem Alexanderplatz - Beate Köhn

Berliner Rede auf dem Potsdamer Platz - Prof.Dr. Hans Thiersch

Jugendarbeit - Ragnar Fritz

ambulante Erziehungshilfen - Jessica Ebert

stationäre Unterbringung - Julia Forgber

Schulsozialarbeit - Michael Siegel