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hier ein Ausschnitt aus einer Rezension zum Buch "Das kann ich nicht mehr verantworten" zu lesen im Blog www.verrueckte-buecher.de

... "Dann kenne ich auch viele Sozialarbeiter, die nebenbei noch eine andere Leidenschaft haben, schreiben, malen, Sportteams coachen, Musiktherapie oder anderes. Für all diese ist die soziale Arbeit nicht die einzige Tätigkeit, zumeist aber die, von der sie ihre Rechnungen bezahlen. Kurzum, ich entedecke unter den Sozialarbeitern vielseitig interessierte und begabte Menschen, die mit ihrer Leidenschaft für Soziale Arbeit genügend Geld zum Leben verdienen, nebenbei aber noch anderen Leidenschaften nachgehen. Zu diesen Lebenskünstlern zählen auch viele EX-INler*.

In meinen Augen kommen diejenigen Menschen am besten mit der Situation in der Sozialen Arbeit zurecht, die gar nicht einen möglichst einträglichen Brotberuf, Sicherheit und genug Geld für ihre Familie suchen. Sondern Menschen, die sowieso lieber in Teilzeit arbeiten und für die es um den Sinn der Arbeit, um ihre diversen Interessen, um Kreativität geht. So kann ich die Klage schon nachvollziehen, dass Soziale Arbeit als Brotberuf ungeeignet ist. Aber vielleicht hätte man sich auch beruflich anders orientieren sollen, wenn es um einen Brotberuf geht?

Für Betroffene, die oft lernen, aus der Not eine Tugend zu machen, von Hartz IV gut zu leben, diverse kreative Interessen und Projekte zu pflegen, die eigentlich immer nur genug Geld für alle Rechnungen und ein bisschen Vergnügen wollen, ist dieses Berufsfeld nach wie vor interessant."

*"EX-INler streben in den sozialen Bereich, wollen dort arbeiten, wo jetzt Sozialarbeiter von den schlechten Konditionen berichten. ...  Viele von den EX-INlern haben einige Zeit von Hartz IV oder Grundsicherung gelebt. Eine Stelle bei einem freien Träger, wenn auch befristet, ist für sie ein Schritt vorwärts."

 

Ist diese Position eine akzeptable oder gar geniale Möglichkeit zum gut Überleben als SozialarbeiterIn? Was meint Ihr?

Kommentare  

 
Suse
#5 Suse 2013-10-19 20:10
Den Lebensentwurf `sozial-menschl ich anspruchsvolle Teilzeittätigke it mit künstlerischem Ausgleich` kann ich komplett teilen. Aber in der Analyse des Außen während eigener jahrelanger Tätigkeit in zwei sozialen Bereichen (mit mal sportlichem/mal `künstlerischem ` Ausgleich) hat mich gelehrt, dass die aktuellen gesellschaftlic hen Entwicklungen keine Rücksicht nehmen auf diese persönlichen Entwürfe (weder beim Sozialarbeiter noch beim Klienten sozialer Arbeit!).
Es kann einem derzeit (noch) gelingen dies so zu entwerfen und zu leben, jedoch je prekärer die Arbeitsverhältn isse und trotzdem preisgesteigert er das Außen (siehe Miete/Strom/Leb ensmittel etc.pp.) ist, in die Zukunft geblickt, doch eher anzunehmen, dass dieser Entwurf für immer mehr Menschen (und zwar unabhängig vom Beruf!...höchst ens von der jeweiligen Bezahlung!) verunmöglicht wird und Existenzsorgen in den Vordergrund geschoben werden.
Ganz streng bei der Bedürfnisspiral e geblieben: die Selbstverwirkli chung wird erst möglich ab einem gewissen Grad an Absicherung der essentiellen Bedürfnisse...o der mit Brecht: erst kommt das Fressen und dann die Moral(oder die Künste oder, oder...)
Was ist dann (wie sowohl hier als noch deutlicher in einigen anderen südeuropäischen Ländern leider schon zu sehen ist...), wenn man (bei allem Talent dazu!) nicht mehr aus der Not eine Tugend zu machen imstande ist?!
Mir fehlt nämlich mittlerweile (zurecht, wie ich finde!) das gewisse Gottvertrauen, dass ich mich nur selbst in meinem `Ausgleichsmode ll` sortieren muss und dann geht schon alles seinen Gang. Mit kritischem gesellschaftlic hen Blick (im Angesicht der derzeitigen neoliberalen Entwicklungen), der meiner Meinung nach, zu sozialen Berufen dazugehören sollte, kann ich mich nicht (mehr) ausschließlich auf meine ausgleichenden Anteile neben dem Beruf konzentrieren, sondern habe das dringende Bedürfnis (auch, aber nicht nur, im Sinne der sowohl studierten als auch erfahrenen Fachlichkeit) Einfluss auf bestimmte Entwicklungen zu nehmen.
Zum anderen ist diese `Ausgleichspers pektive`(der Sozialarbeiter gleicht sein `Geben` seelisch dann über die schönen Künste etc. aus) ein ursächlich nichts falsches oder schlechtes jedoch sehr individualpsych ologisches Denken, was schon im Ansatz jeden Rückbezug auf Gesellschaft und die gegebenen Bedingungen und Bedingtheiten vermissen lässt.
Dem sollte man in diesen Krisenzeiten(di e, die viele kapitalistische n Gräben immer offensichtliche r werden lassen) meiner Meinung nach unbedingt widersprechen- wie gesagt, nicht weil der Ansatz in sich falsch wäre, sondern weil er sich gar nicht um die dafür notwendigen äußeren Verhältnisse kümmert- somit durch seine Kurzsichtigkeit an Existenzberecht igung (zurecht!) verliert!...auc h und gerade deshalb ist die `Erweiterung der `sehr eindimensionale n` Ebene`(um die Analyse der gesellschaftlic hen Zwänge!), wie Julia hier eben sagte, mehr als dringlich!
 
 
Tine
#4 Tine 2013-10-11 13:11
Ich muss noch abschließend sagen, dass ich es toll finde, dass hier doch noch versucht wird, etwas gegen die zunehmende Entsolidarisier ung zu tun. Leider lebe ich nicht in Berlin, sonst wäre ich wohl auch dabei.
 
 
Tine
#3 Tine 2013-10-11 12:50
Ich finde es wirklich ägerlich, dass Solidarität nur noch ein leeres Wort ist. Das zeigt doch die Rezension deutlich. Nur weil man noch einigermaßen über die Runden kommt, wird jede Kritik als Luxusproblem verstanden? Und weil es immer Menschen gibt, die in erster Linie an sich selber denken, werden sich in Zukunft noch weniger Menschen für andere engagieren. Wirklich schade
 
 
Helle
#2 Helle 2013-10-10 18:36
Genau: Selbst schuld, wenn man Sozialarbeiter ist, selbst schuld, wenn man so wenig Geld verdient, selbst Schuld, wenn man arbeitslos ist… schließlich kommt man doch mit ein paar hingeworfenen Kröten aus,man muss nur positiv denken und Kritik möglichst ausschalten, man muss ja sehen wo man selbst bleibt..was beklagen wir uns eigentlich? Schade, dass selbst die Sozialarbeiter, ob Quereinsteiger oder nicht, scheinbar nicht bemerken, welcher Logik sie aufsitzen..
 
 
Julia
#1 Julia 2013-10-10 15:59
Möglichweise können nicht alle Menschen aus der „Not eine Tugend machen“ Deshalb würde ich die Ebene erweitern wollen: Gerade weil Soziale Arbeit ja davon ausgeht, dass ökonomische und politische Verhältnisse soziale Probleme verursachen, kann mit ihr auch eine gesellschaftskr itische Sichtweise auf die von politischen Entscheidungstr ägern etablierte ungleiche Verteilung verbunden werden. Es kann dann auch an der Bezahlung für die hier als Brotarbeit bezeichnete Lohnarbeit grundsätzlich klar kritisiert werden, dass sie kein Äquivalent für geleistete Arbeit darstellt (Stichwort: Mehrarbeit, unbezahlte Bereitschaftsst unden, Haustarife, AVR-Richtlinien , etc.)Die Wahl eines anderen Berufes löst dieses Problem also nicht auf.

Mag auch auf verschiedene Gesellschaftsth eorien zurückgegriffen werden, das Individuum ist immer in bestehende Verhältnisse eingebunden, auch dann, wenn Rechnungen beglichen werden können oder auch individuellen Bedürfnissen nachgegangen werden kann. Deshalb wäre das hier beschriebene Umgehen vielleicht eine Möglichkeit, aber es lässt sich ergänzen, insofern auf Gesellschaftskr itik zurückgegriffen werden möchte.
 

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