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Tagebuch Soziale Arbeit

Wir planen die Herausgabe eines Bandes mit anonymisierten, konkreten Schilderungen aus dem SozialarbeiterInnenalltag 2012.

Es geht darum, die Situation unserer Profession deutlich zu machen.

SozialarbeiterInnen können selber Tagebuchnotizen schicken (an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Beispiele, Geschichten, Problemlagen einem Interviewer zu berichten. Wer sich zu einem Interview bereiterklären möchte, bitte auch unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden. Unser Projektbüro wird dann einen Termin mit ihm oder ihr vereinbaren.

 

Tagebuch Soziale Arbeit - 6. Folge

Hilferufe aus dem ASD

1.
Ich bin seit 20 Jahren im ASD tätig. Ich erlebe zunehmend eine Arbeitsverdichtung durch mehr Technik (Telefon, Fax, Mail), durch Wahrnehmung eines Bereitschaftsdienstes und durch zunehmend mehr Präsenszeiten für den Bürger. Dies führt wiederum zu mehr Nachfrage bei gleichzeitiger Forderung der Kommunen nach Einsparmöglichkeiten gerade in der Jugendhilfe. Des Weiteren wird eine größere Hilflosigkeit bei Eltern und bei Erziehungsproblemen deutlich. Wenig Zeit bei Eltern, Armut in Familien, Krankheit in Familien führen zu mehr Bedarf an Jugendhilfe. Es fällt schwer bei zunehmender Arbeitsverdichtung gleichbleibend hohe qualitative Arbeit zu leisten, den hohen geforderten Standard zu halten. Die zu bearbeitende sehr hohe Fallzahl ist nicht in der normalen Wochenarbeitszeit zu leisten. Viele Kollegen bleiben länger da, einige reagieren mit Krankheit auf die verschärften Anforderungen. Dieser Krankheitsausfall, der zum Teil länger andauert (z. B. bei Burnout-Erscheinungen) ist dann von den restlichen Kollegen aufzufangen, ein Teufelskreis tut sich auf. Mir gefällt das Arbeitsgebiet nach wie vor sehr, ich frage mich aber auch, wie lange ich diesen quantitativen Anforderungen noch gewachsen bin, bzw. wie lange mein Körper noch mitmacht, denn auch ich werde älter und sehe, dass es zu wenig junge Kollegen gibt (Überalterung in diesem Bereich).
Dieser Bereich ist m. E. zu schlecht bezahlt und hat eine Imageaufwertung verdient.

2.
Ich bin seit 9 Jahre Sozialarbeiter. Seit 7 Jahren arbeite ich im Allgemeinen Sozialdienst.
Allgemeiner Sozialdienst heißt: Arbeiten mit Menschen, die am gesellschaftlichen Rand leben.

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Projekt: "Tagebuch Soziale Arbeit" - 5. Folge

Fordern oder Fördern? Die Wirklichkeit im Jobcenter

aus den Erfahrungen einer Wohnungslosenhelferin

Immer wieder kann ich es kaum fassen, was meine KlientInnen im Jobcenter erleben.

Heute war ich wieder mal dort mit einem Klienten, einem 34 jährigen Mann, der bislang gearbeitet hat, der aber seit längerer Zeit schwer erkrankt ist und immer wieder und zuletzt für 2 Monate ins Krankenhaus kam. Durch Erkrankung und Jobverlust hat er seine Miete nicht mehr zahlen und sich nicht entsprechend gegen die Räumung verteidigen können. Während seines Krankenhausaufenthaltes wurde ein Räumungsvergleich vereinbart, dessen Frist bereits ohne das Wissen meines Klienten begonnen hatte zu laufen. Mit seiner Entlassung aus der Klinik blieb ihm nur noch eine Woche, um seine Wohnung zu räumen und sich so weitere dramatische Kosten zu ersparen.

Und nun muss er zudem ganz von vorne anfangen, muss beim Jobcenter ein Wohnungsangebot einreichen, damit er wenigstens die Chance hat, seine Auszugskosten erstattet zu bekommen, die er selber von Hartz IV niemals zahlen kann. Allerdings sagt das Gesetz, dass nur Kosten übernommen werden, wenn es eine neue Wohnung gibt. Die gab es aber nicht, da der Klient mit der Räumung in die Obdachlosigkeit ging.

Dann reicht er trotzdem die geforderten 3 Kostenvoranschläge ein, die werden alle abgelehnt, weil sie angeblich alle zu hoch liegen. Mehr als 500 Euro würde nicht bezahlt, sagt man ihm. Das steht nirgendwo.

Heute also bin ich mitgegangen.

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Projekt: "Tagebuch Soziale Arbeit" - 4. Folge

„Sie haben das Ziel nicht erreicht. Also kein Erfolg. Keine Verlängerung“.

aus der ambulanten Psychiatrie

Als Sozialtherapeutin betreue ich seit einem Jahr u.a. eine psychisch kranke Frau. Ich bin Einzelfallhelferin in der ambulanten Psychiatrie. Ich bin bei einem Träger angestellt, der mir die Fälle zuweist. Meine Therapiestunden werden von der Krankenkasse genehmigt und finanziert, ähnlich wie bei ambulant tätigen Psychotherapeuten. (Bis heute ist mir nicht klar, was die bei meiner Klientin z.B. anderes machen könnten. Aber da ich „nur“ Sozialarbeiterin bin, bekomme ich deutlich weniger für die Stunde).

Aber das ist nicht die Schweinerei, um die es mir hier geht. Was ich hier erzählen möchte, finde ich noch viel schlimmer!

Es geht um eine junge Frau, Ariane M., die ich betreue und mit der ich sozialtherapeutisch arbeite. Sie ist seit ihrer Kindheit psychisch auffällig, hat die Schule nicht abgeschlossen und war auch nie berufstätig. Sie hat eine manische Depression und darüber hinaus eine massive Medikamentensucht entwickelt.

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Projekt: "Tagebuch Soziale Arbeit" - 3. Folge

Der Weg aus der Sucht und zurück auf Anfang.

aus der Mobilen Jugendarbeit

Michael wurde von einer anderen Institution an das Projekt der Mobilen Jugendarbeit vermittelt. Zum damaligen Zeitpunkt lag bei ihm eine starke Abhängigkeit von der Droge Crystal Meth vor. (Exkurs zu Crystal Meth: dabei handelt es sich um ein Amphetamin, welches seit Mitte der neunziger Jahre den Weg auf den ostdeutschen Mark gefunden hat und hier von jungen Menschen neben Cannabis am häufigsten konsumiert wird. Diese Droge ist relativ leicht herzustellen und damit im Vergleich zu anderen chemischen Drogen wie Kokain sehr preiswert. Besonders gefährlich ist dabei, das eine schnelle Abhängigkeit eintritt sowie das es relativ schnell zu ersthaften, mitunter bleibenden physischen und psychischen Schäden bei dem konsumierenden jungen Menschen kommt.)

Seine konkreten Wünsche an die Einrichtung bezogen sich zum Zeitpunkt dieses ersten Kontaktes auf eine Unterstützung bei der Auflösung der Wohnung, welche er aufgrund ausgebliebener Mietzahlungen verloren hatte. Er selber fand die Tatsache, dass er seine Wohnung verloren hatte, nicht so schlimm. Schließlich war gerade die Langzeitentwöhnungsbehandlung durch den zuständigen Rententräger genehmigt worden. Und er hätte die Wohnung somit ohnehin aufgeben müssen, meinte er, denn er sei sich gar nicht sicher, ob er je in diese Stadt zurückkehren würde. Es handelte sich um eine ostdeutsche, mittlere Kleinstadt, deren Infrastruktur (sozial wie im Hinblick auf öffentliche Verkehrsmittel) lange Zeit vernachlässigt bis abgebaut worden war, es jedoch in der letzten Zeit erste Schritte in Richtung einer Veränderung hin zu einer positiven sozialen Infrastruktur gegeben hat.

Nach dem ersten Gespräch mit Michael war das Projekt der Mobilen Jugendsozialarbeit bereit, ihn bei seinem Auszug zu unterstützen. Wir vermittelten zwischen Vermieter und Michael, halfen dabei, Möbel unterzustellen (eine solches Angebot wird immer notwendiger). Direkt nach der Wohnungsauflösung begab sich Michael dann auch in eine klinische Entgiftung.

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Berichte aus dem SozialarbeiterInnenalltag erwünscht

Wie ein Sozialarbeiteralltag wirklich aussieht, womit wir zu kämpfen haben, was uns schwer und sauer gemacht wird, was uns dennoch Spaß macht und uns erfüllt.....

das weiß die Öffentlichkeit nicht, die Politik will es gar nicht wissen aber ich behaupte, selbst die eigenen FachwissenschaftlerInnen haben nur begrenzt Ahnung, wie das sich anfühlt, was sie kritisch analysieren.

Um so besser, dass es Initiativen gibt, die damit Schluß machen wollen.

So wächst das vom UFo geplante "Tagebuch der Sozialen Arbeit" stetig an. Es sind schon 43 Geschichten. Gesucht werden dringend noch persönliche Bericht und Geschichten aus den Bereichen: Strafvollzug, Resozialisierung, Kinderheim, Frauenhaus, Flüchtlingsarbeit, Jugendberufshilfe, Suchtberatung, Fallmanagement und an Hartz IV angelehnte Angebote.....

Meldet euch bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! . In Berlin und Brandenburg können wir die Geschichte auch gemeinsam durch ein Interview erstellen!

Eben erreicht mich ein ähliches Projekt von der GEW:

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