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Forum Theater

Workshop 9

Zur Tagung “Aufstehen-Widersprechen-Einmischen” gehörte bekanntlich auch ein Theater-Workshop. Geleitet wurde die kleine Gruppe von Stephan Antczack und Viktoria Hofer.


Stephan hatte zuvor eine Einführung in das Konzept “Theater der Unterdrückten” gegeben, wie es Augusto Boal in Brasilien entwickelt hat und wie es mittlerweile in vielen Formen, bis hin zum “unsichtbaren Theater” ausgeprägt wurde.

Das Forumtheater ist die Repräsentation eines realen Problems, auf der Bühne,
aufgeführt als offene Frage an das Publikum, welches im Anschluss eingeladen ist,
die Bühne zu betreten und konkrete Alternativen zur Veränderung der
inszenierten Realität auszuprobieren.

 

Am Abend haben sie uns dann alle überrascht und erfreut mit ihrer Aufführung der Szene: “Maschine-Soziale-Arbeit”. Das war gelungen.

 

Am Abend trat eine Gruppe Jugendlicher auf, die nach der Methode des Theaters der Unterdrückten  eine Szene vorspielten, bei der sich ein Schüler mit Migrationshintergrund gegen seine Diskriminierung durch Lehrer und Mitschüler wehren sollte. Zusammen mit den Zuschauern wurden dann  überraschende und höchst beeindruckende Verhaltens- und Reaktionsalternativen ausprobiert und ermutigt.

Als ich eine unserer TeilnehmerInnen dort auf der Bühne erlebte, wie sie es nach einigen Anläufen schaffte, gegenüber den anderen deutlich und mit Stolz,  für ihre Rechte einzutreten und sogar den bornierten Lehrer zum Nachdenken brachte - da sah ich plötzlich ganz  andere Szenen vor mir:

  • Leistungsvereinbarung:
    Wie kann man sich gegen das Untergebuttert werden wehren?

  • Teamsitzung:
    Wie kann man es schaffen, dass die anderen zuhören, wenn man - mal wieder - über die schlechten Arbeitsbedingugen reden muss.

  • Vorstellungsgespräch:
    Wie trete ich auf, wenn mir der zukünftige Chef erklärt, er erwarte bei einem 30 Stunden Vertrag, dass man trotzdem mindestens 40 Stunden zur Verfügung steht?

  • Helfersitzung:
    Wie mache ich dem Arzt, der Psychologin und der Lehrerin klar, dass ich alks Sozialarbeiterin hier einen anderen fachlichen Zugang habe als sie?

  • usf.

vgl. den entsprechenden workshop auf der einmischen-Tagung im Juni 2011 : „Theater der Unterdrückten“/ Forumtheater
Steh auf und streite für deine Rechte/Wünsche

 

 Die Methode eignet sich hervorragend zur Reflektion von schwierigen Situationen, in denen man sich wehren, anders verhalten, kämpfen oder einfach nur Klartext reden möchhte.
Aber sie bleibt nicht beim Refektieren. Hier kann ausprobiert, versucht, experimentiert werden Durch das gemeinsame Sprechen über die Wirkung oder auch die Authetizität des neuen Verhaltens im Rollenspiel und die Chance, sich immer wieder neu zu versuchen,  ist es tatsächlich möglich, neue Verhaltensweisen zu entwickeln, sich über die eigenen Rechte und Wünsche klar zu werden und  tatsächlich zu lernen, sich effektiv zu wehren. 

Was ist das für eine Methode: Ist es Selbstbehauptungstraing, ist es Rollenspiel, ist es Psychodrama, ist es eine Variante der systemsichen Arbeit?
Ich denke es hat methodisch von allem etwas, aber es ist kein therapeutisches und auch kein pädagogisches Verfahren. Es ist eine Methode zur Einübung und Entwicklung der eigenen politischen Handlungsfähigkeit, zur Stärkung des Selbstbewußtseins als politisches Wesen und zur gemeinsamen Strategieentwicklung.

aus einem Blogbeitrag bei sozialearbeit.einmischen.info :
"Es gab z.B.  in der “jungen Welt” vor ein paar Tagen einen Bericht über das “Theater der Unterdrückten” in Afghanistan, das Hjalmar Jorge Joffre-Eichhorn seit vier Jahren mitten im Kriegsgebiet betreibt: “Das »Theater der Unterdrückten« bezieht die Zuschauer problemlösend in die Handlung mit ein. Die Beteiligten lernen dadurch die »Revolution auf Probe«. Diese Erfahrung gibt ihnen Kraft für das Entwickeln echter Alternativstrategien für ihr eigenes Leben. Das ist keine Therapie, sondern Politik in der ersten Person, Ergebnis von kollektiver Diskussion. In Afghanistan arbeitet Joffre-Eichhorn mit Menschen, die von mehr als 30 Jahren Kriegszustand traumatisiert sind."

Die Profession Soziale Arbeit sollte, bei ihrer schwierigen Suche nach Erfolg versprechenden Wegen und Formen des Einmischens, am “Theater der Unterdrückten” nicht vorbeikommt.

Im kommenden Jahr (20. -22. April 2012) bietet Stephan im Nachbarschaftsheim Schöneberg) für das Unabhängige Forum kritische Soziale Arbeit und alle Interessierten einen Workshop zum Forumtheater an (s. Veranstaltungen) .

Wer Lust hat und neugierig geworden ist, kann mitmachen.