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Workshop 7

Gemeinsam sind wir stark!

Wege organisierter Gegenwehr

Leitung:

Prof. Dr. Joachim Wieler/ Stefan Bergelt

Themenstellung – Worum ging es?
VertreterInnen der professionellen Sozialen Arbeit sind zahlreich – stark sind sie nicht. Zwar engagieren sich einige KollegInnen in Fachverbänden, Berufsverbänden oder auch Gewerkschaften, um den sozialpolitischen Anspruch ihrer Profession einzulösen. Doch berufs- wie fachpolitisch sind sie in zahlreichen Gruppierungen eher parallel oder fragmentarisch organisiert und stehen sich gegenseitig mit ihren partikularen Interessen teilweise sogar im Wege.
Im Mittelpunkt dieses Workshops steht die Herausforderung der Sozialen Arbeit, Kräfte zu bündeln und gemeinsame Strategien zu entwickeln – wir können zweifellos stärker werden!

Arbeitsergebnisse des Workshops – was war uns wichtig?

Der problematische Istzustand der Sozialen Arbeit und Strategien zur Veränderung

Deprofessionalisierung und einseitige Abhängigkeit vom System durch die Ökonomisierung
• Das ständige Kostensparen führt z.B. zu einer Ausweitung des Ehrenamts auf Kosten professioneller Hilfe.
• Es besteht eine die fachliche Arbeit begrenzende und lähmende ungleiche Machtstruktur zwischen Staat und öffentlichen Trägern.
• Soziale Arbeit ist zu Zeiten der Ökonomisierung in eine massive Abhängigkeit vom Staat geraten. Das doppelte Mandat droht, sich aufzulösen.

Fehlende Bildung einer beruflichen Identität:
Vielen KollegInnen der Sozialen Arbeit fehlt eine angemessene Berufsidentität.
Soziale Arbeit beschäftigt sich in Splittergruppen mit tausend kleinen Baustellen, statt sich auf einer Meta-Ebene geschlossen um grundsätzliche (z. B. strukturelle) Probleme der Nachhaltigkeit unserer Arbeit zu kümmern.
Soziale Arbeit verliert sich in der Interdisziplinarität (sehr viele Arbeitszweige ohne einen gemeinsamen Nenner) und in der Spezialisierung.
Es ist fraglich, ob die Ausdifferenzierung und Spezialisierung zu einer klareren Vorstellung von der Profession Soziale Arbeit führt.
Es fehlt bei vielen ein gemeinsames Grundverständnis von dem, was Soziale Arbeit als Profession bedeutet und welche gesellschaftliche Aufgabe ihr zukommt. Es fehlt ein Geschichtsbewusstsein. Viele scheinen der Meinung zu sein, die Geschichte der Sozialen Arbeit finge heute erst an.
Gründe hierfür sind bereits in der Struktur der derzeitigen Ausbildung zu sehen:

In der Ausbildung an den Hochschulen dominieren eindeutig die BezugswissenschaftlerInnen. Zu wenig SozialarbeiterInnne sind in der Lehre tätig (ca. 20% SozialarbeiterInnen und 80% VertreterInnen anderer Wissenschaften). Eine Rolle für die geringe Vermittlung der Sozialen Arbeit als zentrale Wissenschaft spielt auch die Tatsache, dass es keine Möglichkeit gibt, an einer Fachhochschule zu promovieren. Trotz der mit Einführung des Masters auch an Fachhochschulen gegebenen grundsätzlichen Möglichkeit für einen Absolventen der Fachhochschulen zu promovieren, kann er dies nur bei einem Doktorvater und einer Doktormutter tun, die an der Universität lehrt.
Zur Sicherung der Bildung einer beruflichen Identität - beginnend schon im Studium - sollte in Zukunft im Lehrkörper der Fachhochschulen eine 2/3 Mehrheit von WissenschaftlerInnen der Sozialen Arbeit eingeführt werden.
Des Weiteren müsste es möglich sein, direkt im Studiengang Soziale Arbeit einer Fachhochschule zu promovieren.

Keine hinreichende Vernetzung von Theorie und Praxis:

Hinzu kommt, dass es offenbar nicht gut gelingt, die Theorie der Sozialen Arbeit für die Praxis handhabbar und anschließbar zu vermitteln. Die PraktikerInnen fühlen sich oft von WissenschaftlerInnen alleine gelassen, auch dann, wenn es sich um kritische VertreterInnen unserer Profession handelt. Die Disziplin Soziale Arbeit hat eine zu große Distanz zur Profession. Zwischen beiden Ebenen wären stärkere Verbindungen nötig, um eine Identität mit der Profession und ihren wissenschaftlichen Hintergründen herzustellen.
Eine Verbesserung der Vernetzung zwischen Theorie (WissenschaftlerInnen und Studierende) und Praxis könnte die Identität ebenfalls fördern.

Fehlende gemeinsame, schlagkräftige Organisation

Der Organisationsgrad in der Sozialen Arbeit ist zu niedrig.
Gewerkschaften und Berufsverband teilen sich die wenigen, die bereit sind, sich zu organisieren untereinander auf. Den Organisationsgrad der Verbände könnte man durch eine aktivierende Befragung erhöhen.
Tendenziell besteht sogar ein Konkurrenzverhältnis. Nötig wäre eine Art Dachverband oder Bündnis, das für alle SozialarbeiterInnen nach innen und außen sprechen könnte. Es gibt viele Organisationen/Verbände (meist Arbeitsplatz- oder Arbeitsfeldspezifisch) aber es fehlt die Koordination und Kooperation untereinander. Außer dem - haben kleine Verbände kaum irgendeinen politischen Einfluss.
Notwendig wäre die Einführung eines Dachverbandes bzw. eines Berufsverbandes mit Fachgruppendifferenzierung (z.B. nach dem Vorbild der Ärztekammer inklusive eines Pflichtbeitritts).
Fraglich ist, ob es gelingen kann bzw. ob es überhaupt einen Sinn macht, auch die Träger und Arbeitgeber als Bündnispartner der Berufsgruppe mit ins Boot zu holen. Es stellte sich z.B. die Frage: „Wo waren die Verbände als z.B. Hartz 4 eingeführt wurde und was leisten die Verbände überhaupt?“
Ein erster Schritt dahin wäre die Einberufung eines runden Tisches mit Beteiligung aller relevanten Organisationen zur Koordinierung der Verbände.
Eine wichtige Aufgabe dieses Dachverbandes wäre die Öffentlichkeitsarbeit (Kontakte mit der Presse, Stellungnahmen, Medienauftritte).
Neben einer gemeinsamen, starken Organisation fehlt der Sozialen Arbeit bekanntlich auch eine entsprechende Lobby. Es wurden Möglichkeiten diskutiert, wie man die eigene Lobby stärken kann.

Politische Soziale Arbeit

Um wirklich etwas verändern zu können, um die oben benannte Abhängigkeit und Angepasstheit zu überwinden, sollte sich die Soziale Arbeit daran erinnern, dass sie schlicht zu unpolitisch ist. Soziale Arbeit hat seit ihrer Entstehung ein politisches Mandat. Das gilt es wieder zu entdecken und mit Leben zu füllen.
Kritische, sich politische verstehende Sozialarbeitende müssen sich zu Aktionen und zu Widerstand entschließen. Fernziel wäre ein Arbeitskampf der Sozialen Arbeit, die die KollegInnen in allen Bereichen und Arbeitsfeldern erfasst.
Es geht nicht nur darum, dass wir als SozialarbeiterInnen politisch denken und handeln. Ziel müsste es auch sein, Schlüsselpositionen in politischen Gremien in der Exekutive und der Legislative mit der Fachkompetenz Soziale Arbeit zu besetzen (der Berufsverband könnte dies Koordinieren).
Endlich was tun! Endlich was ändern!
Das war der Grundtenor dieses Workshops. Viele sind genervt von der Untätigkeit Sozialarbeiter („alle meckern aber niemand macht etwas“).

Es wäre notwendig, diese Angepasstheit in der Profession Soziale Arbeit zu reflektieren und zu analysieren. Zweifellos ist es schwierig, unter den momentanen Bedingungen kritische soziale Arbeit zu machen.
Eine der entscheidenden Unterstützungsstrategien dabei ist die bessere Vernetzung zwischen den Sozialarbeitern, insbesondere auch der kritischen Sozialarbeitenden.
Ziel dabei ist es aber, im Rahmen der Handlungsstrategien für eine Gegenwehr, alle mit ins Boot zu holen. Um das zu erreichen, müssen Verbündete gesucht und Bündnisse geschlossen werden.

Die abschließende Botschaft an die BerufskollegInnen des Workshops: „Gemeinsam sind wir stark“ lautet:
• Vom Jammern zum Handeln: Empört Euch!
• Organisiert Euch! Es macht keiner für Euch! Verbündet Euch!
• Vom Einmischen zum Aufmischen - Habt Mut! Geht an die Wurzel, werdet „radikal“