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Workshop 9

 „Theater der Unterdrückten“/Forumtheater
Steh auf und streite für deine Rechte/Wünsche


Leitung:
Stephan B. Antczack/Viktoria Hofer

Themenstellung – worum es geht!

Im Theaterworkshop werden die Themen Grundrechte, soziale Ungerechtigkeit, sowie die Beziehung zwischen Sozial Arbeitenden und Klienten im Vordergrund stehen.
Mit Methoden aus dem „Theater der Unterdrückten“ nach Augusto Boal werden wir die Widersprüche und Bewegungsmomente von Konflikten aufgreifen und szenisch bearbeiten. Handlungsfähigkeit und Einmischen im Sinne gesellschaftspolitischer Interventionen werden wir spielerisch erproben. Erarbeitet werden FORUMTHEATER-Szenen, die am Ende in Ausschnitten den TagungsteilnehmerInnen präsentiert und zum Mitspielen angeboten werden.

Ablauf des Workshops:

Im Theaterworkshop standen die Themen Grundrechte, soziale Ungerechtigkeit, sowie die Beziehung zwischen Sozial Arbeitenden und Klienten im Vordergrund.

Mit Methoden aus dem „Theater der Unterdrückten“ nach Augusto Boal wurden die Widersprüche und Bewegungsmomente von Konflikten aufgriffen und szenisch bearbeitet. Handlungsfähigkeit und Einmischen im Sinne gesellschaftspolitischer Interventionen wurden spielerisch erprobt.

Konkret erarbeitet wurden vom Workshop FORUMTHEATER-Szenen, die am Ende in Ausschnitten den TagungsteilnehmerInnen präsentiert wurden.

Stefan Antczack und Viktoria Hofer gaben den TeilnehmerInnen der Tagung zu Beginn eine Einführung in das Konzept “Theater der Unterdrückten”, wie es Augusto Boal in Brasilien entwickelt hat und wie es mittlerweile in vielen Formen, bis hin zum “unsichtbaren Theater” ausgeprägt wurde.

Überrascht und amüsiert hat uns die Gruppe dann abends bei der Walking Gallery mit der Aufführung der Szene: “Maschine-Soziale-Arbeit”. Das war gelungen (Hierzu gehört der Film "Maschine Soziale Arbeit", den wir hier ins Netz gestellt haben).

Am Abend trat eine Gruppe Jugendlicher auf, die nach der Methode des Theaters der Unterdrückten eine Szene vorspielten, bei der sich ein Schüler mit Migrationshintergrund gegen seine Diskriminierung durch Lehrer und Mitschüler wehren sollte. Zusammen mit den Zuschauern wurden dann Verhaltens- und Reaktionsalternativen ausprobiert. Dabei kam es überraschenden und höchst beeindruckenden Alternativen, die sehr ermutigend wirkten.

 

Was bringt das Theater der Unterdrückten für kritische SozialarbeiterInnen?

Anmerkung M. Seithe

Als ich eine unserer TeilnehmerInnen dort auf der Bühne erlebte, wie sie es nach einigen Anläufen schaffte, gegenüber den anderen deutlich und mit Stolz, für ihre Rechte einzutreten und sogar den bornierten Lehrer zum Nachdenken brachte - da sah ich plötzlich ganz andere Szenen vor mir:

• Leistungsvereinbarung:

Wie kann man sich gegen das Untergebuttert werden wehren?

• Teamsitzung:

Wie kann man es schaffen, dass die anderen zuhören, wenn man - mal wieder - über die schlechten Arbeitsbedingungen reden muss.

• Vorstellungsgespräch:

Wie trete ich auf, wenn mir der zukünftige Chef erklärt, er erwarte bei einem 30 Stunden Vertrag, dass man trotzdem mindestens 40 Stunden zur Verfügung steht?

• Helfersitzung:

Wie mache ich dem Arzt, der Psychologin und der Lehrerin klar, dass ich als Sozialarbeiterin hier einen anderen fachlichen Zugang habe als sie?

• usf.

Die Methode eignet sich hervorragend zur Reflektion von schwierigen Situationen, in denen man sich wehren, anders verhalten, kämpfen oder einfach nur Klartext reden möchte.

Aber sie bleibt nicht beim Reflektieren. Hier kann ausprobiert, versucht, experimentiert werden Durch das gemeinsame Sprechen über die Wirkung oder auch die Authetizität des neuen Verhaltens im Rollenspiel und die Chance, sich immer wieder neu zu versuchen, ist es tatsächlich möglich, neue Verhaltensweisen zu entwickeln, sich über die eigenen Rechte und Wünsche klar zu werden und tatsächlich zu lernen, sich effektiv zu wehren.

Was ist das für eine Methode: Ist es Selbstbehauptungstraining, ist es Rollenspiel, ist es Psychodrama, ist es eine Variante der systemischen Arbeit?

Ich denke es hat methodisch von allem etwas, aber es ist kein therapeutisches und auch kein pädagogisches Verfahren. Es ist eine Methode zur Einübung und Entwicklung der eigenen politischen Handlungsfähigkeit, zur Stärkung des Selbstbewusstseins als politisches Wesen und zur gemeinsamen Strategieentwicklung.

Die Profession Soziale Arbeit kann bei ihrer schwierigen Suche nach Erfolg versprechenden Wegen und Formen des Einmischens am “Theater der Unterdrückten” nicht vorbeikommt.

Im kommenden Jahr (20. -22. April 2012 im Nachbarschaftsheim Schöneberg) bietet das „Unabhängige Forum kritische Soziale Arbeit“ einen Workshop zum Forumtheater an. Wer Lust hat und neugierig geworden ist, kann mitmachen.